Allyve merkt sich Passwörter für Webdienste
Allyve merkt sich Passwörter für Webdienste
04.08.2008 - Ob man Mails schreibt oder bei StudiVZ einen Freund «gruschelt», bei eBay eine CD ersteigert oder die Bonusmeilen bei der Lufthansa nachsieht - bei Streifzügen durchs Internet müssen Surfer immer wieder Hindernisse umkurve.
Jedes Mal müssen sie nach der Adresse der Seite noch Benutzernamen und Passwort eintippen. Das Portal Allyve.com will Abhilfe schaffen: Dort gibt der Nutzer ein einziges Kennwort ein - und hat mit einem Klick auf alle persönlichen Anwendungen Zugriff. Das Konzept trifft bei Datenschützern allerdings auf Vorbehalte.
Die Idee kam den Unternehmensgründern bei der Arbeit: Julika Bleil und Philipp Spethmann, beide 27, sammelten als Unternehmensberater der Boston Consulting Group Bonuspunkte bei Hotels und Airlines sowie Einladungen zu sozialen Netzwerken. Die Verwaltung ihrer Konten war allerdings mühselig. «Es fehlte ein Überblick über das Leben im Internet», sagt Bleil. Die beiden stellten fest, dass es ein solches Angebot noch nicht gibt. Im Oktober 2007 machten sie sich nach erfolgreicher Investorensuche mit ihrer Idee selbstständig.
Das Konzept vergleicht Spethmann mit einer Fernbedienung: Auf der Übersichtsseite sieht man neue Mails, Kontaktanfragen oder Gebote in der Versteigerung - ein Klick, und man ist in der jeweiligen Anwendung. Eingebunden sind einige Mail-Anbieter, soziale Netzwerke und Flirtseiten, zudem verschiedene Bonusprogramme wie das von der Bahn. Seit einigen Tagen können Nutzer auch zu Online-Shops wie Amazon und eBay schalten. Bislang nicht dabei ist allerdings StudiVZ.
Es gibt persönliche Startseiten, die in eine ähnliche Richtung zielen wie Allyve: Netvibes, Pageflakes oder iGoogle etwa. Allerdings fassen diese vor allem öffentliche Informationen zusammen, zum Beispiel Blogs, Fotos von Flickr, Wettervorhersage oder Nachrichten. Nutzer können zwar auch auf ihre E-Mails zugreifen, ansonsten bleiben persönliche Nutzerkonten aber verschlossen.
Allerdings verlangt Allyve enormes Vertrauen von den Nutzern: Damit von einer Anwendung zur nächsten geschaltet werden kann, müssen die Mitglieder all ihre Zugangsdaten samt Passwörtern speichern. «Wir halten jeden Sicherheitsstandard ein und übererfüllen ihn sogar», sagt Philipp Spethmann. So habe das Unternehmen sich vom TÜV Süd bescheinigen lassen, dass die persönlichen Daten sicher sind. Nicht einmal die Allyve-Mitarbeiter könnten darauf zugreifen, betont Spethmann.
Dennoch gibt es Skeptiker: Täglich würden Nutzer davor gewarnt, ihre Zugangsdaten an Dritte weiterzugeben, schreibt Martin Weigert im Blog Netzwertig.com. «Und dann kommt Allyve und erfordert vom User eine Handlung, die diesen Verhaltensregeln komplett widerspricht.»
Marit Hansen vom Datenschutzzentrum Schleswig-Holstein lobt zwar den Einsatz von Verschlüsselung und die Zertifizierung des Dienstes durch eine unabhängige Stelle, doch sie gibt zu bedenken: «In einer sicheren Umgebung ist die Nutzung wahrscheinlich unproblematisch, aber wenn der eigene Rechner nicht gut abgesichert ist oder man in einem Internet-Café surft, sollte man vorsichtig sein.»
Einen Minuspunkt gibt Marit Hansen auch für die Passwort-Abfrage: Der Nutzer werde nicht davon abgehalten, einfachste und damit schnell zu entschlüsselnde Passwörter wie «1234567» zu wählen. Außerdem rät die Expertin Nutzern, sich ihre Daten weiterhin zu merken und sich so nicht von Allyve abhängig zu machen.
Der Erfolg von Allyve wird auch davon abhängen, ob die Macher die Internet-Gemeinde von der Sicherheit des Portals überzeugen können. Erste Umsätze verzeichnet das Unternehmen bereits: Seit kurzem kann man mit Allyve auch zu Online-Shops wie Amazon und Tipp24 zappen. Bei jedem Kauf erhält das Unternehmen eine Umsatzbeteiligung. Werbung ist nicht geplant. «Wir wollen ein aufgeräumtes Design», sagt Spethmann. Darin ähnelt die Website einem großen Vorbild: Google - die derzeit beliebteste Startseite der Deutschen.

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